WIE WIR ARBEITEN

Als Dolmetschkollektiv setzen wir uns dafür ein, Sprachbarrieren zu überwinden. Wir möchten Bewusstsein dafür schaffen, wie Sprache und Macht zusammenhängen. Daher stellen wir uns zu Beginn eines jedes Einsatzes kurz vor, damit alle Zugang zur Verdolmetschung haben und damit klar wird, wie wir einen Beitrag zu euren politischen Kämpfen leisten können.

Je nach Absprache beschränkt sich unsere Arbeit allerdings nicht auf das Dolmetschen, wir können auch vielfältige Koordinationsaufgaben im Vorfeld, während der Veranstaltung und danach übernehmen (z.B. Veranstaltungsplanung, Technik & Aufbau, Dolmetschi-Koordination, v.a. wenn es weitere externe Dolmetscher*innen gibt, usw.). Das klappt aber nur, wenn Verdolmetschung und die damit verbundenen Anforderungen auch von euch als Orga-Gruppe ernst genommen werden und ihr uns bei Orga, Logistik etc. unterstützt.

Dolmetschen ist eine sehr anstrengende und intensive Tätigkeit, und auch der damit verbundene Koordinationsaufwand ist nicht ganz unerheblich. Daher ist es uns wichtig, dass wir uns zusammen bemühen, gute Arbeitsbedingungen und gegenseitige Unterstützungsstrukturen sicherzustellen.

Dazu gehören von der Veranstalter*innen-Seite:

  • gute Kommunikation im Vorfeld, um sicherzustellen, dass wir auch wirklich gebraucht werden (siehe unten: was machen wir NICHT)
  • mehrsprachige Bewerbung der Veranstaltung, aktives Bemühen um Mehrsprachigkeit und entsprechende Referent*innen oder Zielgruppen (siehe unten: was machen wir NICHT)
  • eine (oder zwei) Ansprech- und Unterstützungspersonen, die mit uns den Einsatz planen, die Anforderungen an Mehrsprachigkeit mit auf dem Schirm haben (Wir geben gerne unser Wissen und Erfahrung zur mehrsprachigen Veranstaltungsplanung weiter!) und uns bei Koordination und Logistik unterstützen
  • klare Kommunikation bezüglich des Programms, der jeweils gesprochenen und zu verdolmetschenden Sprachen, unmittelbar Weitergabe von Infos, wenn sich Programm, Redner*innen etc ändern
  • grundlegende Verpflegung (Trinkwasser, bei längeren Einsätzen Nahrungsmittel) für mind. 2 Dolmetscher*innen pro Sprache
  • menschenfreundliche Pausenzeiten
  • mindestens 2 Tage vorher: Vorbereitungsmaterial der zu verdolmetschenden Redner*innen (Präsentationen, Manuskripte, Notizen)
  • eine Spende (zur Deckung der Fahrtkosten und für Dolmetschtechnik)
  • 3 min eurer Zeit zu Veranstaltungsbeginn, damit wir unser Kollektiv vorstellen und die Dolmetschsituation allen zugänglich machen können

 

Außerdem: Wir können keine qualitativ gute Arbeit leisten, wenn ihr uns vorher nicht euer Vortragsmaterial zukommen lasst. Genauso wenig können wir gute Arbeit leisten, wenn ihr superschnell einen ausgeschriebenen Text vorlest.

Deshalb brauchen wir folgendes von den Redner*innen:

  • Sprecht in einem vernünftigen Tempo, stellt hin und wieder Augenkontakt zu den Dolmetscher*innen her.
  • Frei vorgetragene Beiträge eignen sich viel besser als vorgelesene Texte.
  • Sprecht Zahlen besonders deutlich aus.
  • Erklärt Abkürzungen, wenn diese nicht allgemein bekannt sind.
  • Schickt uns mindestens 2 Tage vor unserem Dolmetscheinsatz euer Vortragsmaterial (Präsentationen, Manuskripte, Notizen), damit wir uns vorbereiten können. Das Material wird streng vertraulich behandelt.

 

Zuletzt noch ein paar grundsätzliche Gedanken, zu dem, was wir NICHT leisten können:

Wir sind kein Kollektiv, an das jegliche Fragen von (sprachlicher) Inklusion einfach outgesourced werden können. Auch wissenschaftliche/theoretische/aktivistische Sprache schafft Barrieren, die wir nicht einfach ausgleichen können.

Mehrsprachigkeit bedeutet nicht, einfach ein paar „Geflüchtete“ einzuladen, die dann in einer Ecke der Verdolmetschung zuhören. Mehrsprachige Veranstaltungen bedeuten, dass auch in der Orga- und Programmstruktur verschiedene sprachliche Hintergründe vorhanden sind oder reflektiert werden. Wir haben leider nicht die Kapazitäten, Veranstaltungen zu begleiten, die von deutschsprachigen Leuten organisiert werden und sich hauptsächlich an ein deutschsprachiges Publikum richtet; für uns ändern sich Strukturen nicht, wenn wir dann für 1-2 oder eine kleine Handvoll Leute dolmetschen, die damit dennoch in der Minderheits- und sprachlich marginalisierten Position bleiben. Wir möchten nicht, dass unsere Verdolmetschung dazu beiträgt, dass einfach alle anderen weiter in ihrer dominanten Sprache (oft aktivistisches Deutsch) reden können ohne sich Gedanken um sprachliche Inklusion machen zu müssen, weil dazu ist ja interpRISE am Start…

Entsprechend können wir auch nicht zu Veranstaltungen kommen, die nicht klar verschiedene Sprachgruppen einschließen, oder ein Anmeldesysstem vorsehen, so dass im Vorfeld klar ist, dass wir auch gebraucht werden und Mehrsprachigkeit in der Veranstaltungsorga eine gewisse Relevanz zukommt.